Planet Bordeaux
» Web-Journal des Hamburger Autors Mario Scheuermann zu Themen wie Wein, Restaurants, Reisen, Kochen, Lifestyle, Ungarn, Europa.

Weinrallye #61: Syrah aus Kreta

This post has been read 1392 times.

Nach langer Abstinenz habe ich mich entschlossen wieder an einer Weinrallye teilzunehmen. zum einen hatte mich Susanne Werth-Rosarius, die die heutige 61. Rallye ausrichtet, sehr freundlich, aber bestimmt dazu aufgefordert. Zum anderen konnte ich natürlich beim Thema “Syrah – Shiraz – ein global Player” nicht wiederstehen; denn dies ist neben Pinot noir nun mal meine  Lieblingssorte. Der dritte Grund kam dann erst mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten ins Spiel. Zunächst dachte  ich spontan an den 2006 Tamboerskloof Syrah von Kleinood,  einen meiner Favoriten in Südafrika, dann an den Klassiker La Turque von Guigal mit einem etwas gereiften Jahrgang aus den 1990ern . Doch vor zwei Tagen beschäftigte ich mich in einem anderen Zusammenhang mit dem griechischen Bioweinangebot der Hamburger Onlinehändlers Wine & Nature und entdeckte darin einen mir unbekannten Syrah  aus Kreta.  Da die Importzahlen für griechische Weine im Januar mal wieder um 41 Prozent auf einen neuen Tiefstand abgestürzt sind, will ich die Gelegenheit nutzen etwas  für die arg gebeutelte Weinwirtschaft dieses Landes zu tun.  Daher also heute: 2009 Syrah von Douloufakis aus Kreta. Dieser Wein hat seit 2003 in jedem Jahrgang immer wieder Auszeichnungen bekommen bei nationalen und internationalen Wettbewerben: Thessaloniki, Brüssel, Bourg, London. Das weckt Neugier zumal der Wein zu einem räsonablen Preis von 10,59 Euro angeboten wird.

Der Wein kommt aus einem sehr kleinen Anbaugebiet, dessen Namen ich vorher noch nie gehört hatte: Dafnes. Und so dürfte es den meisten Weinfreunden gehen. Dafnes (Δάφνες) heisssen auf griechisch die   Lorbeersträucher und es ist der Name eines kleinen Dorfes, das heute zur Stadt Iraklion gehört. Das ist die grösste Stadt der Insel und die drittgrösste Griechenlands. Sie liegt an der Nordküste Kretas und Dafnes befindet sich ca. zehn Kilometer südlich davon im Hügelland am Fuss der zentralen Bergmassive überragt von den Gipfeln des Psiloritis und des Juktas auf einer Höhe zwischen 200 und 700 Metern. Die Berge sind über 2000 Meter hoch und im Winter lange mit Schnee bedeckt. Sie schützen die Region vor heissen Südwinden und kühle Meeresbrisen aus dem Norden mildern die lang anhaltende Hitze im Sommer. Die Böden sind steinig und karg, ton- und kalkhaltig.  Die Bedingungen für Weinbau sind ideal und seine historischen Wurzeln reichen gut 4.000 Jahre zurück bis in die Zeit der minoischen Kultur.  Dass die Region bis heute  weitgehend ein no name geblieben ist, liegt daran, dass man lange Zeit nur sehr bescheidene Qualitäten erzeugte.

Die Familie Douloufakis ist hier in der dritten Generation im Weinbau tätig. Grossvater  Dimitris hat klein und mühsam in den 1930er Jahren begonnen. Weine wurde damals noch in Ziegenschläuchen auf Eselsrücken transportiert. Sein Sohn George, der das kleine Weingut 1955 übernahm, machte sich immerhin schon in der weiteren Region und auf der Insel einen Namen. Weine wurden damals aus einer Vielzahl autochthoner Sorten gekeltert. Die Rebbestände waren meist wurzelecht, da Kreta  im späten 19. Jahrhundert von der Reblaus-Katastrophe  verschont geblieben war.  Als diese dann doch noch in den 1980er Jahren eingeschleppt wurde, nutzte Enkel Nikos Douloufakis, der nach seinem  Oenologiestudium im piemontesischen Alba nachhause zurückgekehrt war die Chance zu einem Neuanfang. Neben den traditionellen Sorten wie Tachtás, Vilana, Liatiko, Kotsifali, Malvasia  Aromatika und Moschato Aspro auch moderne europäische Sorten  wie  Cabernet, Merlot, Syrah, Sauvignon blanc  aber auch Sylvaner, Sangiovese und Barbera  anzupflanze.  Kaum eine seiner Rebstöcke ist heute älter als 20 Jahre. Aber dennoch ringt er ihnen bereits bemerkenswerte Weine ab wie diesen Syrah des Jahrgangs 2009, über den ich mir heute folgendes notiert habe:   Dunkles, rubinviolett.  Nase mit einer reifen, dunklen Beerenfrucht und Schwarzkirsche, dazu feine Würzaromen. Am Gaumen fruchtig, frisch. Vom zehnmonatigen Barriqueausbau ist geschmacklich kaum etwas zu spüren, ausser den samtig weichen Tanninen und einer ganz dezenten Kokosnote. Das ist ein sehr gelungener, harmonisch abgerundeter Tischwein zu Grill- und Schmorgerichten. Die  Konterflasche  werde ich deshalb für einen geeigneten kulinarischen Anlass aufheben, Zicklein könnte ich mir gut vorstellen oder ein Stifado vom Kaninchen. 87/100

 

This post has been read 1392 times.

Ein Kommentar zu “Weinrallye #61: Syrah aus Kreta

  1. Pingback: Weinrallye #61: Syrah aus Kreta - Drinktank | Weinrallye | Scoop.it